• Equal Rights

Man kann kein Weihnachten feiern, wenn sich jeder Tag wie die Hölle anfühlt - Interview

In einer kleinen Serie möchten wir unsere Arbeit etwas näher vorstellen...lassen. Heute berichtet Sam, was es heißt, in einem EU-Hotspot zu leben und wie er als Christ Weihnachten feiert.


1. Kannst Du Dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Samuel, ich bin 20 Jahre alt und seit einem Jahr auf Chios. Ich wohne als Asylsuchender in Vial, dem Flüchtlingslager auf Chios.*


2. Wie sieht ein normaler Tag in Vial aus?

Ein Tag in Vial, das sind 24 Stunden, ist eine immergleiche Endlosschleife. Wenn wir morgens aufwachen, beginnt der Tag mit Anstehen. Wir bekommen meist Wasser, Fladenbrot und Erdnüsse als Frühstück. Nachmittags und abends müssen wir erneut anstehen, um einen Teller Essen zu ergattern. Das Anstellen dauert jedes Mal etwas länger als eine Stunde. Nach dem Frühstück kommt der schwierigste Moment des Tages – duschen, Zähneputzen, auf Toilette gehen Die sanitären Anlagen sind unglaublich schlecht und völlig verdreckt, weil tausende Menschen sich wenige Wasserhähne und Toiletten teilen. Das verursacht Infektionskrankheiten, auch ich habe mich schon angesteckt. Um Duschen und Toiletten zu benutzen, muss man wieder mindestens 45 Minuten warten.

Falls man Termine oder Fragen an Behörden hat, muss man sich an einem Informationspunkt anstellen. Hier warten wir am längsten, oft mehr als drei Stunde. In der Sonne, im Regen, im Winter – egal. Auch der Rest des Tages besteht aus Warten. Warten auf eine Entscheidung. Warten, dass der Tag rumgeht, dass man sein Leben zurückbekommt. Die Langeweile und monatelange Ungewissheit sind nicht auszuhalten.


3. Wie hat Corona das Leben im Lager verändert?

In gewisser Weise hat COVID-19 das Leben ja auf der ganzen Welt zum Stillstand gebracht, auch das bei uns im Lager. Wir sind der Ansteckung durch das Virus komplett ausgesetzt – unser Leben besteht ja hauptsächlich aus Anstehen in langen Schlangen. Polizei und die Behörden schützen sich selbst, aber nicht uns. Nur eine einzige Stoffmaske wurde seit Anfang November ausgegeben. Wer sie verliert oder wem sie kaputtgeht, hat keine mehr. Desinfektionsgel wurde seit langer Zeit nicht mehr ausgehändigt. All das macht das Leben für uns noch unserer unsicher. Alle Abläufe im Camp haben sich wegen des COVID etwas verlangsamt, die Situation ist in letzter Zeit noch schwieriger geworden. Das Lager dürfen wir nicht mehr verlassen. Wir sind eingesperrt.


4. Du bist Christ. Was denkst Du über Weihnachten im Lager Vial?

Als Christen haben wir immer Weihnachten gefeiert, es ist unser wichtigstes Fest. Unter diesen Lebensbedingungen ist es nicht möglich, ich weiß nicht wie. Ich kann nicht feiern. Nicht, wenn die Zukunft bedrückend ungewiss ist und jeder Tag sich wie die Hölle anfühlt.


5. Was sollten die Leute über das Leben von Schutzsuchenden auf Chios wissen?

Wir stehen kurz vor einer Verseuchung. Die Lebensbedingungen sind prekär. Alle sollten wissen: Das Leben für uns Flüchtlinge in Griechenland ist die Hölle.


* Sam arbeitet als Übersetzer für Equal Rights Beyond Borders.

Unsere Arbeit ist nur durch Spenden möglich. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns helfen würden, Menschenrechte zu schützen.


97 views0 comments
equalrights_negativ_wort_quer.png

Donation Account
IBAN: DE47 4306 0967 1209 3013 00

BIC: GENODEM1GLS - GLS Gemeinschaftsbank eG

Equal Rights Beyond Borders consists of two seperately registered entities in Greece and Germany.

 

GREECE

Αστική Μη Κερδοσκοπική Εταιρεία

ΑΦΜ: 996887928, ΔΟΥ: Δ’ ΑΘΗΝΩΝ 

AΡ. ΓΕΜΗ: 151850501000

GERMANY

Amtsgericht Berlin Charlottenburg VR35583 B

​​​​© 2020 by Equal Rights Beyond Borders  - Privacy Policy  - Disclaimer - About

  • Grau Twitter Icon
  • Grey Facebook Icon