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'Mein Bruder wurde auf die Straße gesetzt' - Interview

In einer kleinen Serie möchten wir unsere Arbeit etwas näher vorstellen...lassen. Heute berichtet Ayden, was sein Bruder Ramin in Griechenland durchlebt hat. Beide Namen haben wir geändert.


Könnt Ihr Euch kurz vorstellen?

Hallo, ich bin schon seit über fünf Jahren in Deutschland, wohne in Bielefeld und komme ursprünglich aus Afghanistan. Mein Bruder wohnt nun seit etwa drei Monaten endlich bei mir.


Was ist passiert, als Dein jüngerer Bruder in Griechenland ankam?

Mein Bruder ist über die türkisch-griechische Landgrenze geflüchtet. Er war nie auf einer der Inseln, wie etwa Lesbos. Dort, also im Norden von Griechenland, wollte er auf einer Polizeiwache Asyl beantragen. Mein Bruder sprach kein Englisch, einen Übersetzer gab es nicht. Obwohl mein Bruder minderjährig ist und man ihm das ansieht, wurde in seinen Papieren aufgenommen, dass er über 18 ist. Nach einem Tag wurde er einfach auf die Straße gesetzt.


Was ist dann passiert?

Er lebte mehrere Monate auf der Straße, ist nachts oft zwischen Thessaloniki und Athen gependelt, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Er hat häufig nur einmal am Tag gegessen, er hat sich immer hungrig gefühlt. Duschen konnte er nur manchmal. Meist hat er nachts draußen geschlafen. Er war wirklich in einem sehr schlimmen Zustand, hatte Fußverletzungen und insgesamt in einer sehr schwierigen Situation. Er hat sehr oft versucht, die Asylbehörde zu kontaktieren, das hat nie geklappt.

Erst mit juristischer Hilfe hat mein Bruder einen Termin bekommen. Das hätte jedoch weitere zwei Monate Obdachlosigkeit bedeutet. Wir haben daher geklagt und ein Gericht* hat glücklicherweise entschieden, dass mein Bruder untergebracht werden muss, weil er doch noch ein Kind ist.

Mit der Gerichtsentscheidung ist mein Bruder zur Polizei gegangen. Doch er wurde nicht in irgendeine Einrichtung oder ein Heim gebracht, sondern festgenommen und für mehrere Tage eingesperrt. Da ging es ihm unglaublich schlecht, er wusste einfach nicht, was passiert.


Wie seid ihr dann doch noch zusammengekommen?

Equal Rights Beyond Borders hat juristisch alle Hebel in Bewegung gesetzt, hat sich bei den Behörden und der Polizei eingesetzt und so wurde mein Bruder dann doch noch in einem richtigen Heim untergebracht. Die Bedingungen dort waren gut. Wir haben dann noch fast ein Jahr gewartet, bis mein Bruder endlich über die Familienzusammenführung nach Deutschland kam. Dann musste er auch noch für einige Zeit wegen Corona in Quarantäne. Zum Glück hat es am Ende endlich geklappt.


Jetzt sind froh, dass wir uns nach Jahren endlich wiedersehen konnten!



*Equal Rights Beyond Borders hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt.

Die Durchsetzung der Rechte von Ramin war nur durch Spenden möglich. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns helfen würden, Menschenrechte zu schützen.


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